FIFTIES HORROR ist am Start!
Tillmann Courth ist Fachmann für US-amerikanische Horrorcomics der Jahre 1950-1955.
Wie bitte?!
Sehen sie HIER

Diese Seite ist ein Protest und Aufruf zu Qualität:
Denn auch ich finde deutsches Fernsehen mittlerweile so zum Abschaffen, dass ich mir daheim DVDs einlege.
Als Komiker interessiere ich mich naturgemäß für alles Komische.
Bislang in Deutschland und auf Deutsch erschienen sind zum Beispiel schöne Sitcoms wie FRIENDS, SEINFELD, ABSOLUTELY FABULOUS, FAWLTY TOWERS, BLACKADDER, die SIMPSONS, SCRUBS, COUPLING, SLEDGE HAMMER, GILMORE GIRLS, FUTURAMA, 30 ROCK sowie WILL & GRACE. Endlich aufgelegt werden jetzt auch die Klassiker CHEERS und FRASIER!
Auch die preisgünstige Ausgabe von MONTY PYTHON’S FLYING CIRCUS ist und bleibt ein Muss für jeden Humor-Gourmet.
Eine Neuentdeckung vom britischen Markt sind übrigens die beiden Staffeln von EXTRAS, in denen “The Office”-Erfinder Ricky Gervais sensationell die Sau rauslässt…
;-)
An beachtlichen Serien (nicht ausschließlich komisch) liegen mittlerweile auf Deutsch vor: THE LEAGUE OF GENTLEMEN, SOPRANOS, 24, EMERGENCY ROOM, DESPERATE HOUSEWIVES, BATTLESTAR GALACTICA, DR. HOUSE, SIX FEET UNDER, BOSTON LEGAL, SHARK, QUEER AS FOLK, THIRD WATCH, DEADWOOD, die wirklich fantastische Neuauflage von DR. WHO und mein Highlight des Jahres 2007: ROME.
Eine Schande allerdings, dass die deutsche Ausstrahlung der US-Comedyserie MY NAME IS EARL schneller abgesetzt war als man „Zuschauerquote“ sagen kann. Ob’s an der Synchronisation und dem speziellen Charakter der Serie liegt (eine White-Trash-Community in der Provinz), kann ich nicht beurteilen.
Ich hab nur einige Folgen im amerikanischen Original gesehen, aber EARL ist tatsächlich die Sensation, von der meine Komikerkollegen schon seit letztem Jahr schwärmen. Eine höchst liebevolle und sagenhaft originelle Hommage auf das Leben und Streben der „kleinen Leute“.
Immerhin gibt es die beiden ersten Staffeln als deutsch-englische DVD-Boxen.
(Und ich gehe jede Wette ein, dass irgendwelche Fernsehknilche schon an der deutschen Adaption werkeln. Tipp: Ein Hartz-IV-Empfänger aus dem Ruhrgebiet gewinnt im Lotto und versucht, Fehler aus seiner Vergangenheit wieder gutzumachen. Besetzung: Mario Barth als Horst (Earl), Axel Stein als sein tumber Bruder – und für die Rolle der blonden Sexbombe werden sie jajaja leiderleider Ruth Moschner wieder ausgraben!)
Gleich noch weitergejammert: Endlich ist zwar die deutsche Ausgabe der MUPPET SHOW (Staffel 1) erschienen (und offenbart sich bei neuerlichem Ansehen – wie man so schön sagt – “für damalige Verhältnisse” als erstaunlich rasant gebaut), dass jedoch eine andere Lieblingsserie, PICKET FENCES (alias “Tatort Gartenzaun”, David E. Kelleys erster Geniestreich), noch immer nicht in Sicht ist, lässt mir das Herz bluten…
Viele andere Fernsehperlen kann sich der Englisch-Kundige per Mailorder (Kreditkarte ist nötig) übers Internet bestellen.
Aber Obacht: USA-Import-DVDs benötigen einen speziellen “codefree”-Player. Den bekommt man aber problemlos im Fachhandel, auch für kleinstes Geld. Ich benutze derzeit eine 40-Euro-Toshiba-Flitsche für alle meine DVDs.
Im Folgenden deshalb jede Menge Empfehlungen für Liebhaber, sozusagen Außenseiter-Tipps vom Außenseiter-Fachmann.
;-)

US-Serie über einen fiktiven demokratischen Präsidenten und seinen Mitarbeiterstab im Weißen Haus
Dämmrige Arbeitszimmer, düstere Flure, Nacht über Washington. Vorhang auf für die größte Polit-Show auf Erden: die US-Regierung bei der Arbeit. Und wir dürfen Mäuschen spielen in den Büros, im Oval Office, bei Pressekonferenzen, bei Mauschelrunden im Hinterzimmer.
Wir erleben Intrigen, Gegenintrigen, Gerüchteküche, Planungen, Medienmanipulationen, taktische Manöver und offenen Schlagabtausch. Jede Folge ist klassisch gestrickt (Kopf hinter allem: Aaron Sorkin) nach Haupt- und Nebenhandlungen, ernste und absurde Themen gut abgemischt.
Da geht es um den Kaschmir-Konflikt, arabischen Terrorismus, AIDS in Afrika, Neuwahlen, ein Impeachment-Verfahren, Weltraumabwehrsysteme, Christenverfolgung in China – aber auch um durchgeknallte Botschafter, Goldfische, die Abschaffung der 1-Cent-Münze, Familienkräche, das perfekte Käsemesser und wie man eine Steuererklärung ausfüllt.
Im Vordergrund stehen die Charaktere: Frauen und Männer, die aus ihren Büros und Besprechungen kaum jemals rauskommen, ohne nennenswertes Privatleben, aber mit Hingabe an ihren Job.
Der altgediente Stabschef Leo, der grüblerische Chefideologe Toby, die penetrante Sekretärin Donna, der sprunghafte Spindoctor Josh, der smarte Redenschreiber Sam, die kesse Pressesprecherin Claudia Jean, der bodenständige Assistent Charlie und eine Handvoll markanter Nebenfiguren werden schon bald zur liebgewonnenen Fernsehfamilie.
Deren Oberhaupt ist ein brummeliger Präsident mit dunklen Geheimnissen (gespielt von Martin Sheen), der im rechten Moment dann aber doch die menschliche Seite rauskehrt.
Allein diesen Typen, diesen Darstellern beim Abfeuern ihrer präzisen Reden zuzuhören ist zum Niederknien.
Der Empfehlung folgt die Warnung: WEST WING ist zwar englisch untertitelt, doch selbst das hilft kaum! Die Dialoge sind so rasant, die Sprache ist so ein politisches Fachchinesisch, dass selbst Amerikaner (meine Einschätzung) nur die Hälfte verstehen.
Ja, WEST WING überfordert den Zuschauer, und das ist mal eine ganz neue Perspektive. Aber man muss hier auch nicht alles verstehen. Darsteller und Atmosphäre tragen genug, dass man einfach großes Kino genießen kann.
WEST WING wird zur Zeit ins Deutsche synchronisiert, was mir großen Respekt abringt. Denn die Dialoge scheinen mir in ihrer Gänze schwer übersetzbar. Aber immer noch besser, als es auf deutsch nachzuinszenieren. Ein deutscher Versuch hieß „Das Kanzleramt“ – wer’s gesehen hat: es kommt nicht annähernd an sein Vorbild heran…
WEST WING zu beziehen über play.com – momentan sensationell günstig als Komplettbox zu ergattern. Ebenfalls erschienen ist Staffel 1 in der deutschen Synchronfassung. Die gönne ich mir irgendwann mal – und gleiche Übersetzungen ab!

US-Sitcom im Reality-Look über eine Polizeitruppe in Nevada.
Oft versucht, selten erreicht: US-Cops auf die Schippe zu nehmen. Diese kleine, schmutzige und billige Serie packt es!
Der elende Alltag von sieben demotivierten „Officers“ im arg provinziellen Reno ist zum Schreien komisch. Mitnichten geht es hier um Mord und Totschlag, sondern fast immer um Ruhestörungen, Prostitutionsverdacht, unmöglich alberne und sinnlose Undercover-Aktionen sowie um das Einfangen „hilfloser Personen“. Wenn sich die Officers nicht selber untereinander in die Haare kriegen, geben ihnen drogensüchtige „Crackheads“ was auf die Amtsmütze – und ständig wird ihnen der Streifenwagen unterm Hintern weggeklaut.
Hinreißend auch der Besuch der „Homeland Security“ zwecks Schulung in Sachen Terrorismus, hier musste ich mich am Stuhl festhalten.
Und was die Truppe anstellt, als ihnen zwei Tickets zum Besuch einer Exekution winken, das glaubt mir hier sowieso keiner…
Die brillante Kamera- und Schnittarbeit lässt RENO 911 wie eine Reality-Doku wirken und schlägt so zwei Fliegen mit einer Klappe: eine Cop-Sitcom plus langen Stinkefinger gegen sensationsheischende Realityformate.
Die andere köstliche Polizeisatire ist und bleibt natürlich POLICE SQUAD mit Leslie Nielsen (gibt es als deutsche Schnäppchen-DVD unter 10 Euro als „Die nackte Pistole“!) und erlebte später ein Film-Remake als „Die nackte Kanone“ (und ich sag: die Serie ist besser!).
Und erst auf DVD kennengelernt habe ich SLEDGE HAMMER: Der schießwütige „Dirty Harry“-Verschnitt parodiert brillant und knackig die Krimis der 70er und 80er Jahre. Die helle Freude.
RENO 911 zu beziehen über amazon.com – ca. 25 Dollar pro Staffel (je 14 Folgen, nicht untertitelt, braucht Kenntnisse im „Straßen-Amerikanisch“)

Britische Sitcom über drei irische Priester
Was hat es nicht schon alles an „schrägen“ Sitcoms gegeben: eine Bootspartie, gefangen auf einsamer Insel (GILLIGAN’S ISLAND), Außerirdische auf Erkundungstour (MORK & MINDY, THIRD ROCK FROM THE SUN, MY FAVOURITE MARTIAN), kriminelle Plüschpuppen (PUPPETS WHO KILL), liebenswürdige außerirdische Plüschpuppen auf Erkundungstour (ALF)…
Aber die hier ist für mich der Knaller: FATHER TED präsentiert uns drei irische Priester auf einer einsamen irischen Insel namens „Craggy Island“ – und sie scheinen allesamt dorthin strafversetzt worden zu sein.
Nummer 1 ist Father Ted Crilly, ein Priester, der tut, was ein Priester am Ende der Welt nur tun kann. Er bemüht sich, seinen paar Schäfchen Katholizismus anzubieten. Dabei gerät er immer wieder in wunderbar anzuschauende „Verklemmungen“, wird er doch insgeheim von Dämonen geritten: eine Sause nach Las Vegas inklusive Weibern und Moneten ist sein geheimer Traum.
Nummer 2 ist Father Dougal McGuire, der heiligste Narr, den je eine Sitcom hervorgebracht hat, das dümmste Stück Brot auf Erden. Dougal weiß nichts, kann nichts, macht alles falsch im unpassendsten Augenblick, er glaubt nicht mal an seinen Glauben! Was Darsteller Ardal O’Hanlon in der Rolle abzieht, ist einfach weltklasse und kann mich immer wieder begeistern.
Typischer Dialog am Ende einer Folge:
TED: And, Dougal, did you learn anything from this experience?
DOUGAL: (lange, lange Pause) No!
Nummer 3 ist Father Jack Hackett, ein pädophiler, sabbernder Lustgreis, der den ganzen Tag im Alkoholkoma verbringt. Die einzige Vokabel, die noch über seine Lippen kommt, ist ein vehement vorgebrachtes „Drink!“, ab und zu auch mal ein forderndes „Girls!“ bzw. ein verächtliches „Nuns!“.
Dieses Trio infernal nun ringt Folge für Folge mit seinen Eitelkeiten, ärgert sich über den fiesen Bischof Brennan und muss Besuche von Priesterkollegen und Nonnen über sich ergehen lassen (die meist noch bekloppter als das Stammtrio sind!).
Die vierte im Bunde ist die Haushälterin des tristen Pfarrhauses: Mrs. Doyle ist offensichtlich Tee-fixiert und steht selbst nachts im Dunkeln mit einer Kanne bereit – falls jemand aufsteht und Durst nach Tee haben sollte.
Die blühende Phantasie der Autoren Graham Linehan und Arthur Matthews jagt die Darsteller in so absurde Situationen wie die Teilnahme am Eurovision Song Contest, den Protest gegen einen Sexfilm, einen VIP-Lookalike-Wettbewerb, das Sich-Verlaufen in Irlands größter Damenunterwäsche-Abteilung und die Ausrichtung eines Senioren-Priester-Fußballturniers.
Und wer bei „Speed 3“, der Father-Ted-Variante der beliebten Actionfilmreihe weder Bauklötze staunt noch Tränen lacht, ist durch nichts auf der Welt zu belustigen…
Einfach kaufen! FATHER TED ist DER Geheimtipp unter Fachleuten.
FATHER TED erlebte nur drei Staffeln, dann raffte Hauptdarsteller Dermot Morgan tragischerweise der plötzliche Herztod hin. Die Autoren zogen weiter zu BLACK BOOKS und kreierten dort eine köstliche erste Staffel.
FATHER TED zu beziehen über play.com – ca. 40 Euro für die Gesamtausgabe (englisch untertitelt).
Auch über Amazon Deutschland kommt man (manchmal sogar billiger!) ran.

Grotesker ist noch kein Serienheld gestorben, und das direkt zu Beginn.
Hauptfigur George (eine junge Frau übrigens) wird auf offener Straße erschlagen – von der Toilette einer abstürzenden Raumstation. Jetzt ist sie tot, aber auch nicht so richtig.
Denn höhere Mächte haben sie dazu bestimmt, ein „reaper“ zu sein, ein Seelen-Ernter, eine Jenseits-Hostess sozusagen. Die Kniffe dieses unappetitlichen Handwerks werden uns in den ersten Folgen drastisch vor Augen geführt, doch nie pietätlos, im Gegenteil.
Ähnlich wie SIX FEET UNDER durchweht diese feine Serie ein Respekt vor dem Leben, der erst durch Kontrastierung mit dem Danach offensichtlich wird.
Clou an der Serie ist, dass die guten Untoten einen neuen irdischen Körper bekommen und sich nebenher – wie die Sterblichen auch – durchs Leben jobben müssen. Was unserer Heldin fast noch schwerer fällt als Seelen abzuernten.
Wie sich die jugendliche Rumhängerin George Stück für Stück in einen verantwortungsbewussten Todesengel verwandelt, wird zart und anrührend, aber auch mal mit tüchtigem Paukenschlag erzählt.
Dramatisch ganz wundervoll finde ich es auch, dass wir die Familie von George weiter begleiten und mitansehen müssen, wie die mit dem Verlust ihrer Tochter klar kommt. Auch George schleicht sich in ihrem neuen Körper immer wieder in die Nähe von Vater und Mutter – was zu äußerst bewegenden und befremdlichen Szenen führt.
Hauptdarstellerin Ellen Muth als George(ina) ist ein faszinierender Typ – atemberaubend „hässlich“ nach Hollywood-Maßstäben. Muth changiert irgendwo zwischen Pippi Langstrumpf und einer teenage mutant ninja turtle. Hey, ich find’s toll!
Weitere grandiose Darsteller (darunter Mandy Patinkin, der irre Dr. Geiger aus „Chicago Hope“, wir warten auf diese Veröffentlichung!) und skurrile Plots und auch Orte machen DEAD LIKE ME zu einem unvergesslichen Fernseherlebnis.
Warum zum Beispiel treffen sich die Reaper immer in einem öden „German Pfannkuchenhaus“, in dem dezente Landlermusik läuft?!
I like this crazy shit.
An dieser Stelle gilt ein Dank meiner treuen Agentin Regina Arentz, die mir DEAD LIKE ME aufdrängte.
Nachtrag: DEAD LIKE ME (beide Staffeln) sind unter dem Titel SO GUT WIE TOT inzwischen auch im deutschen Handel erhältlich – und zu günstigem Preis (ca. 20 Euro)!
Britisches Fernsehspiel über einen Mann im Kampf mit sich selber
Auf – ich glaube – vier (!) Erzählebenen bewegt sich dieses 6-stündige Mammutfernsehwerk der BBC.
In einem Krankenhausbett siecht ein Autor mit ekelhafter Neurodermitis vor sich hin. Die Schilderung seiner Qualen verschmelzen mit seiner Phantasie und Bildern aus seiner Vergangenheit zu einem kathartischen Prozess, an dessen Ende der Kranke sein Leben wieder in die Hand nehmen kann.
Diese sechs Stunden Fernsehschaffen aus der Hand der TV-Autorenlegende Dennis Potter gelten heute als ein Meisterstück der BBC, und in der Tat kann man sich dem Sog der Bilder und der Härte der Worte nicht entziehen.
THE SINGING DETECTIVE präsentiert ein schonungsloses Stück Selbsttherapie, traumartig arrangiert, verwirrend in seiner Vielfalt, erschütternd in seinen Ausbrüchen. Ich war selten von einem Fernsehwerk derartig hypnotisiert.
In der Hauptrolle brilliert Michael Gambon, der entweder schon damals (1986) ziemlich alt aussah oder aber seitdem bis heute kein bisschen gealtert zu sein scheint. Sehr interessant, übernehmen Sie, Dorian Gray.
THE SINGING DETECTIVE ist im Jahre 2003 auf anderthalb Stunden von Hollywood neuverfilmt worden, mit Robert Downey Jr. in der Hauptrolle, bitte nicht verwechseln!
THE SINGING DETECTIVE zu beziehen über play.com – ca. 20 Euro (englisch untertitelt)

US-Serie über die Abenteuer einer Raumschiffbesatzung
Wenn ich so vermeintlich salopp „Space-Western“ schreibe, dann meine ich in diesem Fall auch „Space-Western“. Denn FIREFLY vermählt wirklich ganz bewusst Science Fiction mit Western.
Hier werden klassische Westernthemen wie Kopfgeldjäger, irrtümliche Verheiratung mit einer Squaw, Hinterhalt und Bürgerkrieg in die Zukunft transportiert. Ja, Staubmäntel, Colts und intergalaktische Verfolgungsjagden.
Das geht, und das macht sogar richtig Laune, wie sich die zusammengewürfelte Crew aus – ich sag mal: Freiberuflern – mit zwielichtigen Geschäften durchs Weltall schlägt.
Die heutige Globalisierung mag schlimm sein, aber die uns bevorstehende Universalisierung zwingt manch redliche Haut zum Schmugglerdasein… Höchst amüsant und unbedingt sehenswert ist zum Beispiel der Zugüberfall mit Raumschiffunterstützung (!) in Folge 3.
Sehr sehr sehr COOL ist das alles.
Schon die Mischung der Figuren klingt wie ein Scherz aus der Zukunft: Treffen sich ein Captain, ein Pilot, eine Maschinistin, ein Call-Girl, ein weiblicher Sicherheitsoffizier, ein Söldner, ein Arzt, ein Priester und ein Medium an Bord eines Raumschiffs…
Dieses Team ist wunderbar konturiert und überzieht sich andauernd mit schäbigen Frotzeleien. FIREFLY sprüht in jedem Satz, in jedem Blick, in jeder Einstellung vor Ironie – das ist wirklich enorm.
Der Kölner Journalist Christian Bos empfahl mir dieses Fundstück. Also, Christian, Du hast Recht: Tolle Darsteller, knackige Dialoge und immer den Schalk im Nacken. FIREFLY ist erstklassige Unterhaltung für alle, die weder Science Fiction noch Western bierernst nehmen.
Übrigens aus der Feder von „Buffy“-Macher Joss Whedon stammt diese liebevoll gemachte Miniserie, die nach 14 Folgen vom Sender eingestellt wurde, heute jedoch ein Fanpublikum rund um den Globus besitzt.
Die komplette Serie wird mittlerweile in einer Neuauflage (Herbst 2010) für unter 15 Euro verramsscht. Schnäppchen!

Britische Serie über eine Studenten-WG in London
Handlung kann man dieser Serie beim besten Willen nicht unterstellen. Eigentlich passiert immer das Gleiche: die vier Charaktere hängen in ihrer verranzten WG herum, schreien sich an und zerlegen im Verlauf der Folge das komplette Mobiliar (und manchmal machen sie auch hier nicht Halt).
THE YOUNG ONES sind auch mehr als Kommentar auf das junge Thatcher-England zu verstehen, mit vielen politischen Anspielungen und expliziten Diskussionen. Dieser BBC-Klassiker aus den Jahren 1982/83 besticht noch immer durch seine Geradlinigkeit, seine rohe Lust an Action, Nonsens, Ekel, Wahnsinn, Statement und Phantasie. Es wird kaum in normalem Ton geredet, alle Auftretenden deklamieren, brüllen, fordern.
THE YOUNG ONES sind Ventil für eine Gesellschaft im Wandel.
Das Personal besteht aus dem zerstörungswütigen Punk Vyv, dem hysterischen Anarchisten Rick, dem depressiven Hippie Neil und dem smarten Nichtstuer Mike – ergänzt um den geldgierigen Vermieter Jerzei.
Genial gerät diese Serie (an dessen Script übrigens viele Talente mitgewirkt haben – von Ben Elton über Lenny Henry bis Jennifer Saunders) durch ihre Mischung. Hier trifft Slapstickhumor der Stummfilmzeit auf die psychedelische Abgedrehtheit der Python-Schule, hier duellieren sich völlig überzogene Typen mit Worten und mit Waffen, hier spielt auch die Regie verrückt: Da hocken im Flurschrank plötzlich die drei Hexen aus Shakespeares Macbeth, da läuft Gemüse auf einem Teller Schlittschuh, da geben rauchende Plüschtiere kurz ihren Senf zum Geschehen ab, da verwandelt sich die Kulisse ruckzuck in eine Quizshow, da schleudert Gott einen Blitz und vernichtet einen der Darsteller und und und…
Spezielles Feature noch obendrein: mitten während der Show tritt eine gerade angesagte englische Band mit einem Song auf (z.B. Madness, Mötörhead oder Dexys Midnight Runners)!
THE YOUNG ONES sind ziemlich anstrengend und darum nur in kleinen Dosen zu genießen, aber immer, wenn ich wissen will, wie durchgeknallt Fernsehen sein kann, dann lege ich mir eine Folge ein.
Und find es wunderbar.
THE YOUNG ONES zu beziehen über play.com – ca. 18 Euro (zwei englische Mini-Staffeln zu je 6 Folgen, englisch untertitelt)

US-Sitcom bzw. US-Serie über die Befindlichkeiten der amerikanischen Mediengesellschaft
CURB YOUR ENTHUSIASM ist die Sitcom von und mit „Seinfeld“-Macher Larry David.
Wir begleiten den Erfolgsautoren in seinem Alltag: Geschäftsmeetings, Familientreffen, Nachbarschaftsstreitereien. Alles beginnt ganz harmlos, um am Ende ganz köstlich zu eskalieren. Meisterlich, wie David Steinchen auf Steinchen türmt, bis zum Schluss eine rauchende Ruine übrig bleibt. Und immer geht es um die Fallstricke der political correctness, der persönlichen Erwartungen, der angekratzten Eitelkeiten.
Da vermutet eine Frau im unschuldigen Faltenwurf einer Hose einen Ständer, da prügeln sich zwei Freunde um ein Geschenk, da weitet sich die Erledigung eines simplen Gefallens zur Ehekrise aus, da beschwört ein Druckfehler eine Familienfehde herauf, da kostet ein dummer Witz fast die Karriere.
In CURB YOUR ENTHUSIASM reagiert niemand so, wie wir im „alten Europa“ auf Alltagsproblemchen reagieren, nämlich entspannt, nachfragend und mit Humor (das nehme ich zumindest in der Regel so wahr!). Bei David hingegen werden fast reflexartig Vorwürfe, Anklagen und paranoide Verschwörungstheorien ausgefahren. Ein Missverständnis gibt dem nächsten die Klinke in die Hand, bis der Karren kommunikativ im Dreck steckt.
Und ich glaube, wir schauen ein realistisches Abbild der USA heute. Ich winde mich im Sessel und denke: Das muss sie sein – die Hölle der amerikanischen Aufgeregtheit.
Wenn man in diese verspannte, beleidigte, egozentrische Welt des Larry David eintaucht, versteht man sogar rückwirkend SEINFELD besser!
In die gleiche Kerbe schlägt FAT ACTRESS, die Erfolgsserie von und mit „Guck mal wer da spricht“-Star Kirstie Alley.
Im Sud ihrer Selbstvorwürfe köchelt hier die übergewichtige Schauspielerin Kirstie Alley („as herself“). Zwischen Fressattacken und Depressionen versucht Alley, wieder ein Bein an die Erde (das heißt in Arbeit) zu kommen, stößt jedoch ihrer figürlichen Probleme wegen allerorten auf Ablehnung.
Auch hier wird rücksichtslos hinter die amerikanische Fassadenwelt geschaut. Menschen machen sich konstant zum Affen, werfen ihre Würde freiwillig über Bord und betteln um gesellschaftliche Anerkennung. Das ist peinlich und armselig und fein beobachtet.
FAT ACTRESS zeigt eine hysterische Welt mit Luxusproblemen. Es ist ein bisschen wie die hässliche Schwester von SEX AND THE CITY: gejammert wird ausschließlich auf höchstem Niveau. Man kann das alles nicht ernst nehmen und ist doch mitgenommen von der rohen Präzision des zur Schau gestellten Wahns. Einige Personen suchen das Glück – und nehmen für den Rest des Tages mit einem spontanen Fick vorlieb.
Böse Serie! Direkt, ungeschminkt und oft auch „dirty“. Ich bin bei FAT ACTRESS hin- und hergerissen zwischen einem Entsetzen über die offenkundige Tragik und einem zufriedenen Brummen über die gnadenlos servierte Wahrhaftigkeit.
Großer Bonus bei FAT ACTRESS: heftigste Selbstdemontage von Gaststars, Beispiel eine gewisse Mayim Bialik, die („as herself“ again) eine neurotische Hundebesitzerin gibt und mit ihrem Schoßtierchen schizophrene Dialoge über ihr Sexleben führt. Das bringt nicht jede Schauspielerin, Respekt!
Fazit: Solange sich Amerika so nackt darstellen kann (und das beweist verdammt viel Humor und Selbstironie), solange besteht Hoffnung.
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CURB YOUR ENTHUSIASM hat inzwischen sieben Staffeln produziert und ist eine der wenigen Serien, die noch nicht auf Deutsch vorliegen. Also ordern bei play.com (günstige 12 Euro pro Staffel, englisch untertitelt).
FAT ACTRESS zu beziehen über amazon.com – ca. 15 Dollar pro Staffel (je 7 Folgen, nicht untertitelt, braucht Kenntnisse im Amerikanischen)
Nachtrag: FAT ACTRESS ist mittlerweile vergleichbar günstig auf Deutsch erschienen.
US-Sitcom über die Redaktionsmannschaft eines Modemagazins
O Gott: Redaktionsmannschaft eines Modemagazins? Das klingt nach müdem Standardprogramm, ist aber eine meiner Lieblingssitcoms. Aus diversen Gründen. Erstens sind die 22-Minuten-Folgen knackig und straff strukturiert, zweitens ist diese Sitcom mit intelligenten Pointen nur so gespickt und drittens verfügt sie über zwei begnadete Darsteller. Den himmlischen George Segal als jovial-chauvinistischen Herausgeber Jack und David Spade in seiner besten Rolle als Dennis, sein Assistent und „Empfangsfräulein“. Spade gibt den genialsten Giftzwerg, der je über einen Fernsehschirm gewieselt ist.
Komplettiert wird das Ensemble durch Jacks Tochter Maya, eine Emanze auf verlorenem Posten, den Fotografen Elliot, einen professionellen Womanizer sowie das Ex-Model Nina, die verblühende Schönheit mit dem Habitus der 70er Jahre.
Es ist ganz erstaunlich, wie viel JUST SHOOT ME aus dieser Konstellation macht und herausholt. Die Plots schweben in einer selten erreichten Balance aus Alltag und Absurdität. An den Texten ist kein Wort zu viel, und die Regie spielt meisterhaft mit der Körperlichkeit der Akteure. Oft liegt der Lacher in einer Geste, einem Blick, einer Haltung, einem Gang.
JUST SHOOT ME ist so schön, weil die visuelle Komponente der Komik beachtet und ausgespielt wird.
Und ich sage nochmals: George Segal, David Spade!
ProSieben hat 2004 im Spätprogramm mal ein paar Folgen versendet, dadurch wurde ich auf diese köstliche Serie aufmerksam.
An dieser Stelle mal ein Tribut an ProSieben – dieser Sender ist der einzige in Deutschland, der ab und zu noch mal was Sehenswertes an den Start bringt. Erwähnt seien hier die DESPERATE HOUSEWIVES und die bitterböse US-Sitcom ACTION!, die ich hier im Anschluss beschreibe.
Doch zurück zum Thema: JUST SHOOT ME zu beziehen über amazon.com – ca. 35 Dollar (erschienen ist eine Staffel 1+2-Box, wobei Staffel 1 aus nur sechs Testfolgen besteht, nicht untertitelt, aber gut verständliches Amerikanisch)

US-Sitcom über das amerikanische Filmbusiness
Auch das ist oft versucht worden: den Wahnsinn Hollywoods zu thematisieren. Mein Sieger in dieser Sparte heißt ACTION!, eine 13teilige Serie über die Entstehung eines Films von der Konzeption bis zur Premiere.
Jay Mohr spielt den schleimigen Hollywood-Producer Peter Dragon, der der puren Kohle wegen einen Drecksfilm nach dem nächsten raushaut. „Beverly Hills Gun Club“ heißt sein neues Projekt, ein Splatter-Massaker unter Teenagern im Zoo. Ein Autor wird angeheuert (und im Folgenden nur misshandelt und ignoriert), drogensüchtige Akteure werden hofiert, durchgedrehte Regisseure werden gecastet und nicht nur geldgeile Geldgeber werden gemolken.
Sämtliche Figuren sind dürftig kaschierte Karikaturen realer Vorbilder aus dem Filmgeschäft. Der Insider entdeckt hier Anspielung über Anspielung.
Der Humor dieser Serie ist durchaus grenzwertig zu nennen. Wir erleben brutale Szenen der Erniedrigung, der Gier, des Größenwahns.
Hier ein sinngemäßes Dialogbeispiel, das vor allem deutsche Zuschauer glatt vom Sessel haut:
Peter bekniet zwei jüdische Geldgeber, ihr Geld in seinen Film zu pumpen: „Ich sage Ihnen: Springen Sie auf diesen Zug auf!“ – „Mr. Dragon,“ antwortet sein Gegenüber lakonisch, „Immer wenn Juden aufgefordert werden, in einen Zug zu steigen, geht das meistens nicht gut aus“.
Hier, glaube ich, habe ich mein Bier über den Tisch gespuckt…
So offen und ehrlich (und damit wundervoll) hätte man einen Abgesang auf die Filmindustrie nicht mehr erhofft. Bei aller Satire ist ACTION! letztlich ein Lehrfilm über die Mechanismen des modernen Hollywood.
ACTION! gab es nicht zu kaufen. Fraglich auch, ob es jemals auf DVD erscheinen würde. Schon die TV-Ausstrahlung der letzten Folgen musste in den USA von Fans erzwungen werden.
Doch alles ward gut: ACTION! liegt inzwischen als amerikanische „uncut“-Fassung auf DVD vor, kostet ca. 20 Dollar und hat nur leider keine Untertitelspur.

US-Sitcom über zwei Schwestern und deren Familien
SOAP ist ein Meilenstein der Comedykultur. Schon in den späten 70er Jahren wird hier ein Genre ad absurdum geführt, dass bis heute leider überlebt hat: die Seifenoper.
SOAP (der Titel ist programmatisch gemeint) serviert uns eine Familiensaga im Stil der Vorabendserien, doch mit völlig überdrehten Inhalten und hanebüchenen Charakteren.
Burt zum Beispiel ist impotent, weil er glaubt, den Ex-Mann seiner Frau umgebracht zu haben. Jodie ist schwul, will sich dann zur Frau umoperieren lassen, um dann doch lieber hetero zu werden. Danny hat Schwierigkeiten mit der Mafia und soll seinen eigenen Vater erschießen, flüchtet dann jedoch verkleidet als Ölscheich. Jessica ist so naiv, dass sie die Affären ihres Mannes nicht bemerkt, gerät dann aber doch unter Mordverdacht wegen eines Techtelmechtels mit ihrem Tennislehrer. Chuck kommuniziert mittels einer Bauchrednerpuppe und Corinne legt alles daran, einen katholischen Priester zu verführen.
Doch wie heißt es im Vorspann? “Confused?! You won’t be – after this week’s episode of SOAP!“ Dann natürlich wird noch mehr Konfusion verursacht…
Heutige Soaps sind gar nicht mehr sooo weit weg von solchen Geschichten, doch damals muss diese Serie ein anarchistischer Rundumschlag gewesen sein. SOAP hat bis heute von seinem Schwung nichts verloren und kann mich immer noch begeistern.
Die Darsteller sind großartig, die Regie erstklassig und die Dialoge immer auf den Punkt.
Der unverschämte schwarze Butler Benson ist eine geniale Figuren-Erfindung („What? You want ME to open the door?“), ebenso wie die rotzfreche Bauchredner-Puppe, die ein Eigenleben zu führen scheint. Und die saudummen Cliffhanger-Fragen am Ende einer jeden Folge sind einfach zu und zu lustig:
„Will Chester and Jessica stop fooling around with other people – and start fooling around with each other? Will airlines actually increase the size of their toilets? Will the Tates ever invite Chief Tinkler to a roastbeef dinner again? And who killed Peter Campbell? Mary? Burt? Jodie? Danny? Corinne? Father Tim? This questions and many others will be answered on next week’s episode of SOAP!“
Und selbst die locker-flockige Heile-Welt-Titelmelodie geht einem nicht mehr aus dem Kopf.
Confused?
Star-Comedian Billy Crystal verdiente sich hier erste Sporen mit seiner Darstellung des bisexuellen Jodie. Und Autorin Susan Harris schuf später noch die GOLDEN GIRLS – ein Platz im Comedy-Olymp ist ihr sicher.
SOAP zu beziehen über amazon.com – ca. 25 Dollar pro Staffel (je 25 Folgen, nicht untertitelt, aber gut verständliches Amerikanisch).
Nachtrag: Die erste Staffel gibt es auch als englische Box mit Untertiteln – natürlich bei meinem Haus- und Hofdealer play.com für 25 Euro.
Britische Mini-Serie über eine TV-Nachrichten-Show
„Ultimativ“ zum Dritten: Die sensationsgierige, hysterische Welt der Bildmedien ist beliebtes Dauerthema im Kabarett und selbst von Hollywood schon aufgegriffen worden (im Spielfilm „Network“ zum Beispiel). Aber so radikal, so schön und so „drüber“ wie THE DAY TODAY hat’s mir noch keiner gemacht.
Darsteller Christopher Morris gibt den schmierigen Anchorman eines Nachrichtenmagazins im Stile von „blitz“ oder „exklusiv“, immer hardcore bis zum Anschlag, immer atemlos die nächste Sensation versprechend, immer bereit jede noch so irrationale Furcht tüchtig zu befeuern.
Da erliegen englische Politiker einer geheimnisvollen Seuche, da wird im Priesterseminar gemobbt, da übernimmt ein treuer Schäferhund die Steuerung eines abstürzenden Hubschraubers, da entführt Muammar Gaddafi die Insel Griechenland und versenkt sie vor Nordafrika, da stehen Polizisten im Verdacht, Gefangene zu verspeisen und ein Massenmörder stirbt nicht auf dem elektrischen Stuhl, sondern als Elvis verkleidet auf dem elektrischen Klo.
Die Anmoderation einer Sendefolge macht den Stil der Serie deutlich. Ein Trailer zeigt uns die zu erwartenden Katastrophenberichte, anschließend blickt Morris kalt in die Kamera und bellt hinterher: „Happy now“?!
Höhepunkt der Serie ist sicherlich die „Kriegsfolge“, wo Morris live und mit Außenschaltung vor Ort einen Krieg (!) vom Zaun bricht, nur um die Sendezeit adäquat füllen zu können.
Ein Meilenstein bei THE DAY TODAY ist auch die Bildführung, die das Spiegeln, Klappen, Drehen und Verzerren von Fernsehbildern, Trailern und Schrift-Inserts aufs Köstlichste ad absurdum führt.
Ich erinnere mich auch an völlig wahnsinnige Musik-Video-Clips, die jede Grenze hinter sich lassen. Mehr verrate ich hier nicht. Kaufen! Anschauen!
Das Erschütternde ist, dass THE DAY TODAY nichts von seiner Frische verloren hat, die menschliche Angst-Lust will immer befriedigt werden. Allein der Bericht über die explodierenden Hunde gewinnt in heutigem Licht an gruseliger Aktualität.
THE DAY TODAY sah die Geburt der Comedyfigur Alan Partridge, gespielt vom großartigen Steve Coogan. In THE DAY TODAY gibt er den indigniert-dämlichen Sportreporter. Seinen weiteren Weg als arroganter wie glückloser Moderator zeichnet Coogan in den (ebenfalls hochempfehlenswerten) beiden Staffeln von I’M ALAN PARTRIDGE nach.
Christopher Morris widmete sich dem Thema Medienschelte erneut mit BRASS EYE, einem DAY-TODAY-Update aus dem Jahr 2001. THE DAY TODAY war, ist und bleibt jedoch nicht mehr zu toppen…
THE DAY TODAY zu beziehen über play.com – ca. 20 Euro (eine englische Mini-Staffel zu 6 Folgen, nicht untertitelt, stellenweise dialektal gefärbt, doch verständliches Englisch).

Britische Mini-Sitcom über einen Horrorautoren und sein Werk
Eine echte Zufallsentdeckung war für mich dieses absurde Stück Comedy von Channel 4. Eine königliche Köstlichkeit, aber verdammt schwer zu erklären.
Denn es geht um die angebliche Wiederaufführung einer Mystery-TV-Serie aus den 80er Jahren, die uns vom mittlerweile berühmt gewordenen Autoren des Ganzen (ebenjenem Garth Marenghi) Folge für Folge präsentiert wird.
Der Clou daran: Garth Marenghi ist eine Kunstfigur. Dahinter verbirgt sich der Komiker Matthew Holness, der sich offensichtlich eine Parodie auf Stephen King, den weltberühmten Horrorschreiber, leistet und erdreistet.
Clou Nr. 2: die Serie hat es natürlich nie gegeben, sie ist nur die Folie, um sich über das seriöse Getue des Horrorgenres lustig zu machen. Denn was uns der gute Mr. Marenghi da in Ausschnitten vorführt, ist grottigster Fernseh-Trash im billigsten Look der 80er Jahre.
„Darkplace“ nämlich ist ein Grusel-Krankenhaus im Nirgendwo, mühselig zusammengehalten von Pappmaché und hanebüchenen Drehbüchern, die vor Klischees nur so strotzen.
Drei Ärzte ringen dort mit übernatürlichen Phänomenen, wie es sie dämlicher nicht geben kann. Vergiftetes Wasser verwandelt alle Bewohner in Affen, vergiftete Nebelschwaden verwandeln alle Bewohner in Schotten, vergiftetes Essen verwandelt alle Bewohner in Brokkoli.
Dabei macht diese Serie alles falsch, was man im Filmgewerbe überhaupt nur falsch machen kann. Und das ganz bewusst, mit Schmackes und in Perfektion!
Da wackeln die Kulissen, da werden falsche Schnitte gesetzt, da fliegen Requisiten an Schnüren durchs Bild, da scheppern die Dialoge, da vergilben die Farben, da springt die Kameraachse, da läuft der Ton in falschem Tempo, da wird Zeit mit Füllbildern geschunden, es ist das nackte Elend, aber saukomisch.
Das Größte: Der Darsteller des Krankenhauschefs kann nicht die Bohne schauspielern, in einer Folge aber ist er plötzlich perfekt (!).
Die Fallhöhe bei GARTH MARENGHI’S DARKPLACE liegt im Auseinanderklaffen von Anspruch (die immergleich wirkende, salbungsvolle Vorrede des Herrn Marenghi, zwischengeschnittene seriöse Interviews mit den Darstellern) und Ausführung (der unglaublich hirnrissige Unfug, den wir dann um die Ohren gehauen kriegen). Spaß macht das alles, und zwar enorm.
Filmfreunde machen sich vor Lachen in die Hose, wie daneben man inszenieren kann. Eine atemberaubende Demonstration von inszenierter Inkompetenz und wahrhaft genialer Trash.
Mir persönlich wärmt es nebenbei das Herz, dass hier die Horror-„Kunst“ mal so richtig auf die Zwölf bekommt.
GARTH MARENGHI’S DARKPLACE zu beziehen über play.com – ca. 15 Euro (eine englische Mini-Staffel mit 6 Folgen, englisch untertitelt).

Britische Mini-Serie über alten Grusel in modernem Gewand
Dr. Jekyll ist zurück, natürlich samt Mr. Hyde. Nur ahnt er zunächst nichts davon. Der Wissenschaftler Tom Jackman erlebt unerklärliche „Filmrisse“, in denen sein Körper auf eigene Faust unterwegs zu sein scheint. Und wie reagiert er, als ihm dämmert, dass ihn zeitweise ein Dunkles Ego reitet? Er organisiert ein perfektes Doppelleben: mit Zweitwohnung, Überwachungstechnik, Stundenplänen und einer attraktiven Notfall-Krankenschwester!
Und das ist erst die Exposition von JEKYLL, der 6-stündigen Fernsehsensation aus der Feder von Steven Moffat. Was der erfahrene Sitcom-Autor (COUPLING) dann an Suspense, Action und Mystery auf uns Zuschauer löslässt, ist nichts weniger als aufwühlend und atemraubend.
Höchst kunstvoll springen wir (oft in Vor- und Rückblenden) durch die Chronik einer menschlichen Katastrophe. Wie Jackman versucht, seine Familie vor Hyde geheim zu halten (klappt natürlich nicht), wie ein obskurer Großkonzern ihn verfolgt und entführen will (klappt dann schließlich), wie seine Frau die Begegnung mit Mr. Hyde verkraftet – das sind großartige Inszenierungen, die mich absolut begeistert haben.
Getragen wird JEKYLL von brillanten Schauspielern, die einem schlagartig ans Herz wachsen. Und darin schließe ich die Darsteller der „Bösen“ mit ein! Allen voran James Nesbitt in der Titelrolle ließ mir den Mund offen stehen (war schon Jahre zuvor der schräge Vogel bei COLD FEET).
Alles in allem: Spannungsfernsehen vom Feinsten. Intelligent, knackig, überraschend, originell und absolut unvorhersehbar.
Manchmal jedoch geht Moffat der Sitcom-Humor ein bisschen zu sehr durch (etwa in den Szenen mit dem fiesen Söldner, dessen Handy sich mit dem quatschigen „Crazy Frog“-Klingelton meldet) – andererseits ist es auch erfrischend gaga und verdammt lustig.
Und noch ein kesser Vergleich:
Beim Schauen der amerikanischen Actionserie „24“ nutzen wir nur 15% unseres Gehirns! Bei JEKYLL muss man schon mehr dazuschalten. Genauso packend ist es trotzdem.
Ob es mit dieser hinreißenden Serie weitergeht, bleibt offen. Denn das erschienene Material nennt sich „Season One“. Seltsam? So steht es geschrieben.
Ich sag dann Bescheid.
JEKYLL zu beziehen über play.com – ca. 25 Euro (eine englische Mini-Staffel mit 6 Folgen, englisch untertitelt).
Phasenweise wird der Artikel sogar für lachhafte 5 Euro verscherbelt. Besser kann man Geld nicht anlegen.
;-)

Britische Mini-Sitcom über den herrlich beschränkten Kosmos der Titelfigur
Die Iren schon wieder!
Langsam festigt sich in mir der Gedanke, dass die Iren die größten Komiker auf Erden hervorbringen:
Nicht nur Dave Allen und Eddie Izzard, nicht nur Dylan Moran von BLACK BOOKS, nicht nur der Schauspieler James Nesbitt (siehe oben), nicht nur das Team um „Father Ted“ (siehe weiter oben), sondern auch der Komiker Sean Hughes scheint ein Genie seines Fachs zu sein.
Der damals gerade 26-jährige Hughes stemmt hier eine One-Man-Personality-Show, die an Originalität nicht zu übertreffen ist.
Denn SEAN’S SHOW ist eine Sitcom und zugleich die offensive Parodie darauf. Hier kommt der Meta-Humor ins Spiel.
Vor einem Live-Publikum bespielt Hughes vier aneinander gebaute Kulissen (Pub, Straße, Wohnung, Supermarkt) und macht keinen Hehl daraus, dass alles nur ein (Fernseh-)Spiel ist.
Da wird im Script herumgeblättert, da tritt der Regisseur ins Bild, da geht der Darsteller ins Publikum, da wirbeln Kameraassistenten Schnee in Seans Gesicht, da geht ein Spot an, immer wenn Hughes von seiner Jugend erzählt und das viel benutzte Telefon ist ein billiges Plastikding, das natürlich viel zu schnell bedient wird.
SEAN’S SHOW leistet sich jedoch nicht nur formalen Quatsch, sondern wimmelt förmlich vor verrückten Ideen: Das Script stammt angeblich von Samuel Beckett persönlich, im Radio läuft immer Morrissey, sein Freund Tony ist eine Sitcom-Knallcharge und wird bald abserviert, der Pub veranstaltet idiotische „Themenwochen“, eine herumliegende Socke wird niemals trocken, Einbrecher spuken durch die Bude und hinterlassen Sean Geschenke und tote Bekannte quatschen ihm Nachrichten auf den Anrufbeantworter.
Getoppt wird das Ganze noch durch aberwitzige Dialoge, die aus SEAN’S SHOW eine wirklich jenseitig-schräge Sitcom machen:
Sean besucht seinen hartherzigen Vater im Krankenhaus (dargestellt durch eine Perücke unter einer Bettdecke): „Dad, grapes were out, so I brought you a cauliflower, a cabbage und a big onion. You can peel it and cry for the first time in your life.“
Sean fängt ein neues Leben an: “I’m over my Morrissey phase now. Well, everybody gets over their Morrissey phase – except for Morrissey, obviously…”
Und allein der Eröffnungsgag aus Folge 5 kann mich aus dem Sessel schmeißen. Sean am Telefon: „Oh, Mom, by the way, did you find my bed? What? It was on top of my porno magazines? Great.”
SEAN’S SHOW ist ein komisches Meisterwerk, es verknüpft die Anarchie der YOUNG ONES mit einem ganz eigenen, feinen Metahumor. Eine wahrhaft außergewöhnliche Produktion.
SEAN’S SHOW zu beziehen über play.com – der Preis dort pendelt irritierenderweise zwischen 4 und 20 Euro (eine englische Mini-Staffel mit 7 Folgen, englisch untertitelt).